Von apokalytischen Bränden und Wirtschaftspolitik für (von) Reiche
Die Nachrichten
über die verheerenden Brände in Südfrankreich und Spanien nehmen immer apokalyptischere
Züge an. Inzwischen sind in Frankreich über 250.000 Menschen evakuiert worden
und die Feuerwände stehen knapp 30 km vor der Hafenstadt Bordeaux. In Spanien
sind ebenfalls über 70.000 Menschen betroffen und auch auf Sizilien und in der
süditalienischen Provinz Kalabrien brennt es. Wie man aus den Medien entnehmen
kann, werden die Feuerwehren nicht mehr Herr über die Flammen, die laut Aussage
von Brandbekämpfern vielerorts bisher unerreichbare Ausmaße angenommen hätten.
Die Folgen des vom
Menschen gemachten Klimawandels werden immer ersichtlicher und Europa scheint
derzeit am heftigsten davon betroffen zu sein. Es sind also nicht mehr
irgendwelche weit entfernten und deshalb für uns abstrakten Inselarchipele, die
vom steigenden Meeresspiegel bedroht sind und deren Regierungen deshalb
verzweifelte aber zumeist ungehörte Apelle an die Weltgemeinschaft senden. Es
ist unser eigenster Lebensraum, der betroffen und ebenfalls bedroht ist.
Zweifler an diesen
Fakten mögen immer noch behaupten, dass solche Brände zwar bedauerlich aber im
Sommer doch im Süden „normal“ wären. Doch was sich in unserer unmittelbaren
Nachbarschaft abspielt, ist eine Katastrophe und sie schreitet unaufhaltsam
weiter fort. Wer auch hier in Deutschland mit offenen Augen die Landschaft –
vielleicht auch nur den eigenen Garten betrachtet, erkennt dieses Ausmaß. Trotz
eines doch gefühlt ziemlich regenreichen Frühjahres (ab Mitte März) ist die
Erde weiterhin knochentrocken. Das Gras verdorrt und viele Bäume verlieren inzwischen
schon jetzt im Juli ihre Blätter.
Die starken Feuer
in unseren Nachbarländern werden ebenfalls durch diese Wetterlage begünstigt.
Die Regenfälle im Frühjahr haben die obersten Schichten der Erde erreicht und
den Wuchs von Sträuchern und Gräsern mit geringem Wurzeltiefgang begünstigt.
Diese Pflanzen trockneten in den Sommermonaten ab Juni jedoch rasch aus und
dienen den Feuern nun als Nahrung – es brennt sprichwörtlich wie Zunder.
Wer also glaubt, das
sei ein lokales Problem des „Südens“, der täuscht sich gewaltig. Ein Blick in
die Waldbrandstatistik der Deutschen Forstwirtschaft verdeutlicht, dass es auch
hierzulande immer häufiger durch Trockenheit brennt. In 2025 hat es doppelt so
viele Waldbrände wie im Jahr zuvor gegeben. Über 2600 Hektar Waldfläche wurde
dadurch vernichtet – „eine Fläche so groß wie die Insel Norderney“, wie es auf
der Onlineseite heißt. Auch das Beispiel des Brandes im Müritz-Nationalpark Anfang
Juli sollte uns zu denken geben, zumal dort auch noch eine Fläche bedroht war,
in der alte Munitionsbestände der Nationalen Volksarmee der DDR im Boden
lagern, was zusätzliche Gefahr bedeutete.
Zusammengefasst
muss man also feststellen, dass uns die Folgen des Klimawandels immer drastischer
vor Augen geführt werden. In diesem Zusammenhang möchte ich auf das Buch mit
dem Titel „Männer, die die Welt verbrennen“ des Autors und Journalisten
Christian Stöcker aufmerksam machen, der sehr ausführlich und plastisch
beschreibt, wohin dieser Klimawandel führt und vor allem, welche Interessen
nach wie vor dahinterstecken, dieses Phänomen möglichst zu leugnen oder die Folgen
zu verharmlosen. Er selbst merkt an, dass sich einige seiner Thesen und
Beschreibungen wie Verschwörungstheorien anhören würden, aber die breite
Koalition an Staaten, Unternehmen und politischen Akteuren, die vom Verkauf von
Öl, Gas und Kohle profitiert, wird in dem Buch benannt und durch Fakten
dargestellt.
Wirft man den
Blick nun auf die aktuelle Wirtschafts- und Umweltpolitik unserer Regierung –
hier vor allem auf das Agieren von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche, kann
man sehr schnell den Eindruck gewinnen, dass auch sie lediglich Politik für
ihre Klientel macht. Schließlich wechselte Reiche 2025 aus der Wirtschaft in die
Bundesregierung und kam aus der Geschäftsführung des Unternehmens Westenergie,
einer Tochter des Energiegiganten E.ON, der nach wie vor Interesse an der
Fortführung von Gaskraftwerken als Energielieferant hat.
Die verschiedenen
Gesetzesänderungen Reiches seit Amtsantritt lassen eigentlich keinen anderen
Schluss zu, als dass sie diese Interessen ihres vorherigen Arbeitgebers fortsetzt
und verteidigt. Allein die Veränderungen des sogenannten und vieldiskutierten Heizungsgesetzes,
das vermeintlich aus ideologischen Gründen („Habecks Heizungshammer“) von CDU
und CSU auf der Agenda der Regierung standen, zeigen dies deutlich auf. Die von
ihrem Vorgänger Robert Habeck in das schon viel länger bestehende Gebäudeenergiegesetz
eingeführte Norm, nach welcher der Anteil an erneuerbaren Energieformen bis
2030 bei neuen Heizungen mindestens 65% betragen sollten, wurde von der schwarzroten
Koalition wieder zurückgenommen. Nun heißt das Gesetz „Gebäudemodernisierungsgesetz“
und wird von den Unionsparteien als „Technologieoffen“ und gar als „die
Rückkehr der Freiheit in die Heizungskeller“ gefeiert. Bei so viel
schwachsinniger Pathetik muss man sich wirklich nicht mehr über politische
Ausrichtungen in diesem Land wundern.
Doch es geht hier
wie schon beschrieben nicht um ideologische Auseinandersetzungen, sondern um
knallharte Lobbypolitik und um wirtschaftliche Interessen derjenigen, die
weiterhin ihre fossilen Energieträger verkaufen wollen und damit Gewinne in
Milliardenhöhe generieren. Doch die von Reiche und ihrem Ministerium offerierte
Behauptung, das Gesetz würde nun neben der „Technologieoffenheit“ auch noch
immer die CO2-Ziele der Bundesrepublik im Blick haben und dabei von
einer sogenannten „Biotreppe“ mit stufenweisen Zuführungen von Wasserstoff oder
synthetischen Ölen zu fabulieren, kommt ganz offensichtlich weder aus
ökologischer, noch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten an. Weder glauben
Experten der Umweltverbände daran, dass überhaupt genügend (bezahlbare) alternative
Brennstoffe in den vorgesehenen Zeitrahmen zur Verfügung stehen, noch dass beispielsweise
die Gasnetze erhalten bleiben, wenn trotz aller Unkenrufe solche Alternativen
wie Wärmepumpen immer größeren Zuspruch erhalten. Zudem sind selbst solche
wirtschaftsliberalen Vereinigungen wie das Institut für Wirtschaftsforschung (IW
Köln) kritisch und weisen in einer neuen Studie auf eine mögliche Verdoppelung
der Gaspreise bis 2040 hin, da die Netze der Betreiber aufgrund der oben
dargestellten Verschiebung immer unwirtschaftlicher werden und die Kosten neben
der steigenden CO2 -Abgaben weiter in die Höhe schießen würden.
Doch das alles
ficht Reiche offensichtlich nicht an. Sie betriebt weiterhin ihre aus (nicht
nur meiner) Sicht katastrophale und eigentlich nicht nur mehr grob fahrlässige,
sondern angesichts der Klimasituation vorsätzliche Politik. Die Veränderungen
im Erneuerbaren Energiegesetz (EEG) tragen die gleiche Handschrift. Geplant
sind die Verringerung oder gar Einstellung der Einspeisevergütung für private
Betreiber von Solaranlagen auf den Dächern, ebenfalls die Vergütung für Windkraftanlagen,
die in Zeiten des Stromüberschusses bisher für das Abschalten der Anlagen erstattet
wurden. All diese Vorhaben werden heftig von Berufsverbänden kritisiert, weil
sie den Energiewandel hin zu den Erneuerbaren zumindest erschweren, wenn nicht
gar aufhalten und damit gleichzeitig die wenigen noch boomenden
Wirtschaftszweige in Deutschland torpedieren. Eine solche politische Agitation
ist in meinen Augen strafbar und müsste eigentlich zu einem großen Aufschrei
der Empörung führen. Doch die seit vielen Jahren stattfindenden Desinformationskampagnen
der fossilen Lobby haben offenbar ganze Arbeit geleistet.
Den
fortschreitenden Klimawandel werden jedoch weder das Ignorieren seiner
Existenz, noch die finanziellen Interessen der Profiteure von Öl, Gas und Kohle
beeindrucken. Die Waldbrände, Überschwemmungen, sturzflutartigen Regenfälle, Trockenheit,
Stürme und anderen Auswirkungen werden dicht auf dicht folgen und neben dem
menschlichen Leid der Betroffenen auch Unsummen an Kosten verursachen, die dann
trotz des Hinweises von Frau Reiche auf die knappen Haushaltskassen des Bundes
anstehen. Wenn wir das noch irgendwie in händelbare Größenordnungen halten
wollen, müssen wir jetzt umgehend die Handbremse ziehen und eine Kehrtwende in
der Energieerzeugung und der Wirtschaftspolitik betreiben. Ansonsten ist es zu
spät und die Brände werden die Städte erreichen.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen