Staatliche Terroristen
Nichts hat mich in den letzten Tagen und Wochen wütender und betroffener zugleich gemacht, als die Bilder aus Minneapolis im US-Bundesstatt Minnesota. Die Stadt wird regelrecht heimgesucht von einer enthemmten Soldateska aus angeblichen US-Bundesbeamten der ICE, die scheinbar jede nur erdenkliche Methode nutzen, um sogenannte illegale Einwanderer aufzuspüren, willkürlich aus Häusern und Autos herauszuzerren und zu verhaften.
Die inzwischen
mehrfachen Todesfälle, zu denen es dabei gekommen ist, sind nur die Spitze
eines Eisberges aus staatlich tolerierter und auch absichtlich so gewollter Gewalt,
um damit politische Gegner und demokratische Strukturen einzuschüchtern und
wenn möglich zu zerstören. Dabei wird offensichtlich billigend in kauf genommen,
dass Menschen wie die dreifache Mutter Renee‘ Good und das jüngste Opfer, der
Krankenpfleger Alex Pretti durch Schusswaffen der ICE-Agenten zu Tode kommen.
Die im Nachgang von Regierungsseite offiziell dargestellten Szenarien dieser
Vorgänge erweisen sich durch etliche Videomitschnitte von Zeugen als dreiste
Lügen und Verleumdungen der getöteten Menschen.
Ebenfalls zu
großer Empörung führen die teils herzzerreißenden Bilder von festgenommenen
Fünfjährigen, die abgeführt werden, um damit der Eltern habhaft zu werden.
Diese völlige Empathielosigkeit und Gewaltbereitschaft der US-Agenten der ICE
zeigt deren wahren Charakter und die damit verbundene politische Einstellung
dieser Leute. Hass, Fremdenfeindlichkeit, ein überhöhtes Männlichkeitsbild und
Rassismus treiben diese sogenannten Staatsbediensteten offensichtlich an – und damit
erfüllen sie genau den Zweck ihrer Herren im Weißen Haus.
Diese erschreckende
Entwicklung von einer Demokratie hin zu einer immer rascher und härter durchgreifenden
Diktatur und Gewaltherrschaft Donald Trumps und seines Stabes sind ein furchtbares
aber auch lehrreiches Anschauungsobjekt bei der Frage, wie so etwas eigentlich
geschehen kann. Gerade wir in Deutschland mit seiner jüngeren Geschichte haben
uns ja diese Frage im Geschichtsunterricht und unter Historikern immer gestellt
– in den USA kann man derzeit live betrachten, wie es zu so etwas kommt. Vergleiche
zum deutschen Faschismus sind dabei natürlich immer sehr gewagt und relativ. Es
bleibt bisher bei der Einzigartigkeit des Verbrechens gegen die Menschlichkeit,
die hier zwischen 1933 und 1945 geschehen ist. Aber die Entwicklungsverläufe autokratischer
Machtübernahmen sind zumindest in ihren Bedingungen und Abläufen oft sehr
ähnlich.
Neben der Gleichschaltung
oder Unterdrückung demokratischer Strukturen, von Medien, Justiz, der versuchten
Umgehung parlamentarischer Kontrollmechanismen und der Unterstellung der Armee unter
eigenes Kommando, kommen immer auch solche Dinge wie die Rekrutierung und der
Einsatz paramilitärischer Gruppierungen aus Gleichgesinnten darin vor. Damit
sichert man sich sehr schnell die Macht auf der Straße und erzeugt zugleich
Furcht durch Gewalt, die dann am Ende auch noch sanktionslos bleibt, wie die
Aussage des US-Vizepräsidenten J.D. Vance zeigte, der verdeutlichte, dass die
ICE-Agenten keinerlei Strafverfolgung zu befürchten hätten.
Wenn man ein
solches System nicht als faschistisch bezeichnen kann, welches dann? Und somit
haben wir die Situation, dass eine der ältesten Demokratien auf der Welt offenbar
kurz vor dem Untergang steht. Deren demokratisch (!) gewählter Präsident aber
eine von rechtsradikalen Elementen aufgestellte Agenda verfolgt, seine eigenen finanziellen
Interessen dazu ebenfalls und scheinbar völlig ohne jeden Skrupel in den
Vordergrund stellt und sich auf einen funktionierenden Apparat seiner Partei
und seines Kabinetts verlassen kann. Gleichfalls musste er bisher auch
keinerlei Widerspruch aus dem Kreis der Verbündeten aus dem sogenannten Westen erfahren.
Nicht einmal seine erratischen Zollkapriolen oder die völkerrechtswidrige
Festnahme und Entführung des venezuelischen (wenn auch ebenfalls autokratischen)
Präsidenten Maduro konnte etwas daran ändern. Lediglich Trumps imperialistische
Ambitionen auf die Insel Grönland und seine unverhohlen klingenden Drohungen,
im Zweifel auch militärische Mittel dafür einsetzen zu wollen und Strafzölle gegen
alle zu erheben, die ihm nicht folgen, haben dann offenbar doch den Bogen bei
den europäischen Regierungsoberhäuptern überspannt.
Der teilweise
abstrusen, vielfach beleidigenden und bis ins Lächerliche abgleitenden Rede des
US-Präsidenten beim Wirtschaftsgipfel in Davos folgten dann neben vielen
diplomatischen Bemühungen am Rande auch klare Ansagen z.B. seitens des Premiers
von Kanada und erstaunlicherweise auch von Bundeskanzler Friedrich Merz. Dessen
Erkenntnis der aktuellen Weltlage und der drohenden Neuordnung mittels
militärischer Stärke, um egoistische geopolitische Ziele durchzusetzen, vermengt
sich jedoch noch immer mit dem Glauben, ein wie auch immer geartetes Bündnis
mit den USA haben zu müssen.
Angesichts
des von Trump initiierten sogenannten Friedensrates, zu dem er in selbstherrlicher
Weise Länder nach seinem Gusto einlädt, die Präsidentschaft auf Lebenszeit für
sich einfordert, eine nicht kontrollierbare Geschäftsführung mit u.a. seinem
Schwiegersohn Jared Kushner aufbaut und dann noch Milliarden an Aufnahmegebühr
für eine dauerhafte Mitgliedschaft in dieser Institution verlangt, wird erneut
deutlich, dass es zumindest mit diesem Präsidenten auf absehbare Zeit kein
wirkliches Bündnis auf halbwegs partnerschaftlicher Basis geben kann. Bei Betrachtung
der menschenverachtenden Methoden, die seine Regentschaft zudem im Inneren ausübt,
darf das aus meiner Sicht auch nicht mehr für demokratische Länder und
Regierungen infrage kommen.
Die spannende
Frage bleibt natürlich, wie man ansonsten mit einer derartigen Situation und
mit einem autokratischen und faschistischen Regime wie dem Trumps umgeht?
Wirtschaftliche Folgen seines egoistischen und niemals berechenbaren Kurses gibt
es schon jetzt zuhauf und das wird sich mit Sicherheit auch nicht verbessern,
nur weil er im Moment auf die angedrohten zusätzlichen Strafzölle verzichtet. Die
Furcht davor, dass der amerikanische Markt verloren gehen könnte und man
deshalb gute Miene zum bösen Spiel machen müsse, darf kein Argument mehr von
Seiten der Wirtschaft sein. Aus meiner Sicht müssen die demokratischen
Regierungen auf der Welt versuchen, sich viel enger zusammenzuschließen und
sich gegenseitig unterstützen. Darüber hinaus kann man nur hoffen, dass die
demokratischen Strukturen in den USA überleben und es vielleicht sogar
schaffen, wieder die Oberhand zu gewinnen, um den Albtraum Trump zu überwinden.
Aber das müssen die Menschen dort selbst in die Hand nehmen.
Zudem hoffe
ich, dass auch die Bürgerinnen und Bürger hier und im übrigen Europa aus diesem
Beispiel mal lernen, was alles geschieht, wenn man Despoten die Macht in die
Hände gibt. Die Freiheit, die wir alle in den letzten 75 Jahren als
selbstverständlich kennengelernt haben und die eben dafür sorgt, dass man sich
frei äußern darf – ja selbst zweifelhafte und undemokratische Meinungen
vertreten kann – ist eben kein Selbstverständnis mehr. Wie schnell das kippen
kann, sehen wir wie gesagt gerade live. Und eines ist ebenfalls sicher: es
würde hier und überall auch wieder genau so funktionieren. Ganz schnell ist die
Meinungsfreiheit beseitigt, werden Grundrechte geschleift und wird mit Gewalt
gegen Protest dagegen vorgegangen. Es wird wirklich Zeit sich gut zu überlegen,
was wir als Gesellschaft tatsächlich wollen. Die Verhaftung von fünfjährigen
Kindern und der Tod unschuldiger Menschen durch staatliche Terroristen darf es
jedenfalls nicht sein.
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