Demokratie gegen Monarchie
Die derzeitigen Ereignisse im Iran scheinen die ganze Welt in Atem zu halten. Es handelt sich um die größte Protestwelle in dem Land nach den durch den Tod einer jungen Frau 2022 erfolgten Aufständen, die unter dem weltweit bekannt gewordenen Ausruf „Frau Leben Freiheit“ standen. Ob durch die nun aktuellen Demonstrationen das Mullah-Regime aber tatsächlich seine „letzten Tage oder Wochen erlebt“, wie Bundeskanzler Friedrich Merz es während eines Besuches in Indien vor der Presse formulierte, bleibt abzuwarten.
Jüngste
Meldungen aus dem fast vollständig durch das Abschalten des Internets
isolierten Landes berichten bereits von abflauenden Protesten, was angesichts
der äußersten Brutalität mit der die sogenannten Revolutionsgarden gegen die
Protestierenden vorgehen, kein Wunder wäre. Inzwischen sprechen einige
internationale Menschenrechtsorganisationen von bis zu 12.000 Toten, die laut
den Medienberichten vor allem durch Kopf- und Herzschüsse getötet worden seien.
Mittlerweile sind
in den Nachrichten der Tagesschau (15.1.2026) Bilder von scheinbar ganz
normaler Alltäglichkeit zumindest in der Hauptstadt Teheran zu sehen und im
US-Fernsehen tritt der iranische Außenminister in den Prime-Time-News auf und
versichert, dass es zu keinerlei Hinrichtungen käme, wie man zuvor
international befürchtete.
Ob das an den
Drohungen des US-Präsidenten Trump liegt, der in gewohnt undurchsichtiger Weise
der iranischen Regierung direkt Vergeltung ankündigte, sollten Demonstranten getötet
werden (was zu dem Zeitpunkt dabei schon längst Realität war), lässt sich nicht
abschließend deuten. Ebenfalls unqualifiziert war Trumps Aufforderung an die
Protestierenden, die er als „iranische Patrioten“ bezeichnete und die ihre
Institutionen übernehmen sollten, da „Hilfe unterwegs“ sei, wie er es
ausdrückte. Was genau er damit meinte, ist bisher immer noch nicht klar.
Sollte sich
die Protestwelle fortsetzen und tatsächlich insofern Erfolg haben, dass das
Regime um den Anführer Ali Chamenei beseitigt wird, ist ebenfalls noch unklar,
welche Gruppierung oder Opposition sich danach durchsetzen würde oder ob es gar
zu einem Bürgerkrieg analog der Geschehnisse in Syrien nach dem Sturz des
Diktators Assad käme. Interessant ist zu beobachten, wie z.B. solche Leute wie
der Sohn des persischen Schahs Reza Pahlavi, Mohammed Reza Pahlavi, sich aus
dem US-amerikanischen Exil zu Wort meldet und sich sogleich „bereiterklärt“, führende
Funktionen in einer Übergangsregierung zu übernehmen, obwohl ihn öffentlich niemand
dazu aufgefordert hat. Trumps Ohr scheint er bisher trotz aller Schmeicheleien
noch nicht erreicht zu haben. Dafür offensichtlich das einiger deutscher
Medien.
Auffällig oft
wird Pahlavi in den Titeln der Funke-Mediengruppe erwähnt, obwohl er vermutlich
keine Mehrheit der Protestierenden hinter sich hat. Dennoch erscheint
beispielsweise am 15. Januar 2026 ein Interview mit Gazelle Sharmahd, der
Tochter des im Iran hingerichteten Aktivisten Jamshid Sharmahd. Darin nennt die
junge Frau Pahlavi den „Kronprinzen“ der die Aufgabe hätte, die Koalition der Protestierenden
zusammenzuführen. Angeblich flüsterten die Demonstrierenden „in jeder Ecke seinen
Namen“, wie es pathetisch in dem Interview heißt. Dabei erfährt man auch, dass
Gazelle Sharmahd Mitglied der „Kingdom Assembly of Iran“ ist, einer monarchistischen
Oppositionsgruppe, die das Ziel hat, den Schah wieder einzusetzen.
Das mag auf
den ersten Blick legitim sein, seltsam mutet es jedoch an, welche hohe
Aufmerksamkeit ausgerechnet dieser royalistische Ansatz bei der
Funke-Mediengruppe erfährt. Zumal aus meiner Sicht die Menschen im Iran bei
einer solchen Option vom Regen in die Traufe kämen, nimmt man einmal die
Herrschaftsform des damaligen Schahs zur Grundlage. Reza Pahlavi herrschte in
der von den US-Amerikanern installierten Monarchie von 1967 bis zur islamischen
Revolution 1979 mit der gleichen Brutalität und unterband jede Opposition mit
Gewalt, wie es die Mullahs heute tun. Der einzige Unterschied war vielleicht
ein etwas „moderneres“ Frauenbild und die Tatsache, dass seine Ehefrau Farah
und ihr extravaganter Lebensstil ständig die Titelbilder von sogenannten Frauenzeitschriften
in Deutschland der 1970er Jahre zierte.
Sollte sich
der Protest also fortsetzen und erfolgreich werden, dann kann man den Menschen
nur wünschen und hoffen, dass sich demokratische Strukturen gegen solche monarchistischen
und andere interessengesteuerten Umtriebe durchsetzen und sich ganz schnell im
Iran verfestigen, ansonsten würde das nächste Land im sogenannten nahen Osten in
Chaos und Gewalt untergehen.
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